Das OpenAI-Logo leuchtet auf einem schwarzen Bildschirm vor einer rot gemusterten digitalen Darstellung von ChatGPT.

Was ChatGPT als Suchmaschine für Eure Sichtbarkeit bedeutet

Die EU-Kommission hat ChatGPT offiziell als sehr große Online-Suchmaschine eingestuft, mit allen Melde-, Prüf- und Transparenzpflichten, die dieser Status mit sich bringt. Damit gilt für OpenAI ab sofort ein Regelwerk, das bislang praktisch nur für Google und Bing galt. Für Marketer heißt das vor allem eins: Sichtbarkeit in der KI-Suche bekommt jetzt eigenes Gewicht, amtlich bestätigt von einer europäischen Aufsichtsbehörde und nicht länger nur von Agenturen wie uns behauptet.
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Jonas Possin

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Das OpenAI-Logo leuchtet auf einem schwarzen Bildschirm vor einer rot gemusterten digitalen Darstellung von ChatGPT.
Inhaltsverzeichnis

Am 31. August 2026 hat die Kommission ChatGPT unter dem Digital Services Act als Very Large Online Search Engine eingestuft, kurz VLOSE. Was zunächst nach trockenem Juristendeutsch klingt, ist für die gesamte Branche tatsächlich eine kleine Zäsur. Eine europäische Regulierungsbehörde erkennt damit offiziell an, was viele Suchmaschinenoptimierer längst spüren: ChatGPT tickt wie eine Suchmaschine, und Eure Kunden nutzen es inzwischen auch genauso, mit echten Rechercheanfragen statt bloßer Spielerei. Wer bislang nur auf Google schielt, sollte spätestens jetzt genauer hinschauen, denn die Regeln der Aufmerksamkeit verschieben sich gerade spürbar unter der Haube, auch wenn an der Oberfläche noch alles beim Alten wirkt.

Warum die EU ChatGPT jetzt offiziell einordnet

Die Einstufung folgt festen, seit Jahren bekannten Regeln und keiner spontanen Laune der Kommission. Wer mehr als 45 Millionen durchschnittliche monatliche Nutzer in der EU erreicht, fällt automatisch unter die strengste Kategorie des Digital Services Act, die bislang fast ausschließlich etablierten Riesen wie Google, Bing oder großen sozialen Netzwerken vorbehalten war. Laut EU-Kommission meldete OpenAI der Behörde 159,1 Millionen aktive Nutzer allein in der EU, weltweit zählt ChatGPT eigenen Angaben zufolge inzwischen über eine Milliarde wöchentliche Nutzer über alle Plattformen hinweg. Die Schwelle wurde damit um ein Vielfaches überschritten, und genau diese Deutlichkeit machte die Einstufung am Ende zur Formsache.

Mit der Einstufung landet ChatGPT in derselben Kategorie wie Google Search und Bing, mit praktisch identischen Pflichten. Am selben Tag wurden übrigens auch Reddit und Roblox als sehr große Online-Plattformen eingestuft, wenn auch unter einer anderen Kategorie des Gesetzes, ein Hinweis darauf, wie schnell KI-Dienste inzwischen die relevanten Nutzerschwellen reißen. Für OpenAI bedeutet das jährliche Risikobewertungen zu Desinformation, Grundrechten und Wahlbeeinflussung, unabhängige Audits durch externe Prüfer, Transparenzberichte alle sechs Monate, einen festen Ansprechpartner für die Behörden und eine neue Kennzeichnungspflicht, ganz ähnlich wie schon beim EU AI Act, der seit August eigene Offenlegungspflichten für KI-generierte Inhalte mitbringt. Die Frist dafür läuft vier Monate ab offizieller Mitteilung, realistisch wird die vollständige Umsetzung damit auf Januar 2027 hinauslaufen, und bei Verstößen drohen laut Gizmodo Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, eine Größenordnung, die selbst einem Konzern wie OpenAI spürbar wehtun würde.

Was die Einstufung für Eure Sichtbarkeit bedeutet

Rechtlich ändert sich für Euer Unternehmen und Eure laufenden Kampagnen erst einmal nichts, denn die neuen Pflichten treffen ausschließlich OpenAI als Betreiber der Plattform. Strategisch ist die Sache trotzdem hochrelevant, und zwar sofort und nicht erst zum Umsetzungstermin im kommenden Jahr. Wenn eine Behörde ChatGPT amtlich als Suchmaschine führt, verliert das Argument, Generative Engine Optimization sei nur ein Hype für ein paar Early Adopter, endgültig seine Grundlage. GEO ist damit fest im Marketingalltag angekommen, mit denselben Ansprüchen an Sorgfalt, Budget und Systematik wie klassisches SEO, wie auch unser Beitrag zu SEO im Kontext von ChatGPT mit konkreten Zahlen zum täglichen Suchvolumen ausführlich zeigt.

Was in diesem Kanal tatsächlich zieht, hat Ahrefs kürzlich mit einer breit angelegten Analyse von 75.000 Marken untersucht, die alle ein solides Suchvolumen und eine gewisse Domainstärke mitbrachten und damit als repräsentativ für den Mittelstand gelten dürfen. Markenerwähnungen im offenen Web korrelieren mit Werten zwischen 0,66 und 0,71 deutlich stärker mit KI-Sichtbarkeit als klassische Backlinks, die in derselben Analyse nur auf schwache 0,20 kommen, ein Faktor, den viele Budgets bislang völlig falsch gewichten. Am stärksten schlagen dabei Erwähnungen auf YouTube zu Buche, noch deutlich vor Fachartikeln, Branchenforen und klassischen Pressemitteilungen. Wer bislang vor allem in klassischen Linkaufbau investiert hat, liest diese Zahlen am besten zweimal und plant das nächste Content-Budget entsprechend behutsam um, ohne klassisches SEO deshalb gleich komplett aus dem Plan zu streichen.

Was sich für Werbetreibende und Marken konkret ändert

Nach aktuellem Stand zeigt ChatGPT in der EU keine Werbung, die neuen Transparenzpflichten legen aber schon jetzt die technische und rechtliche Grundlage für spätere Anzeigenformate. Unserer Erfahrung nach ist eine klare Kennzeichnungspflicht für Anzeigen bei anderen großen Plattformen oft der erste Schritt gewesen, lange bevor überhaupt Anzeigenformate eingeführt wurden. Genau diesen Weg dürfte auch OpenAI jetzt einschlagen, zumal die Monetarisierung eines derart riesigen und weiter wachsenden Nutzerstamms wirtschaftlich betrachtet nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte. Für Marken und Agenturen lohnt sich deshalb schon heute ein genauer Blick auf die praktischen Folgen der Einstufung, statt erst kurz vor Ablauf der Frist im Januar hektisch zu reagieren.

  • Jährliche Risikobewertungen zu Desinformation, Grundrechten und möglicher Wahlbeeinflussung durch generierte Antworten. Die Ergebnisse fließen direkt in künftige Moderationsrichtlinien ein.
  • Unabhängige Audits durch externe Prüfstellen, deren Kernergebnisse künftig öffentlich einsehbar werden und erstmals echten Einblick in die Funktionsweise des Systems geben.
  • Transparenzberichte alle sechs Monate mit Einblick in Moderationspraxis und Umgang mit gemeldeten Inhalten, vergleichbar mit den Berichten, die Google längst veröffentlicht.
  • Eine Meldeschnittstelle für rechtswidrige Inhalte, ähnlich wie sie bei Google und Bing schon länger etabliert ist und Nutzern eine direkte Beschwerdemöglichkeit gibt.
  • Vorbereitete Werbekennzeichnung, die spätere Anzeigenformate in der EU spürbar wahrscheinlicher macht und Mediabudgets langfristig betreffen dürfte.

So richtet Ihr Eure Strategie jetzt aus

Sichtbarkeit in ChatGPT braucht Zeit, Systematik und mehr als einen einzelnen cleveren Trick. Sie verlangt dieselbe Konsequenz, die Ihr längst aus dem klassischen SEO kennt, nur eben mit anderen Stellschrauben, neuen Messgrößen und einigen ungewohnten Kennzahlen, an die sich viele Teams erst noch gewöhnen müssen. Wer jetzt anfängt, die eigene Marke über verschiedene Quellen, Kanäle und Plattformen hinweg konsequent sichtbar zu machen, verschafft sich einen handfesten Vorsprung, bevor der Wettbewerb überhaupt aus dem Schlaf aufwacht. Large Language Model Optimization gehört ab sofort in jedes Strategiemeeting, und wer die technischen Grundlagen dazu in Ruhe vertiefen möchte, wird in unserem Leitfaden zu LLM SEO mit praktischen Beispielen fündig.

  • Eine llms.txt einrichten, damit Sprachmodelle Eure wichtigsten Inhalte sauber, strukturiert und ohne Umwege erfassen können. Das ist technisch schnell umgesetzt und kostet kaum Entwicklerzeit.
  • Markenerwähnungen in Fachartikeln, Branchenforen und vor allem auf YouTube gezielt und dauerhaft fördern, statt sie dem Zufall zu überlassen. Genau hier liegt laut den aktuellen Daten der größte Hebel.
  • Inhalte klar strukturieren und konsequent in Frage-Antwort-Logik denken, damit Antworten direkt zitierfähig sind und nicht erst mühsam zusammengesucht werden müssen.
  • E-E-A-T-Signale schärfen, also Erfahrung, Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit sichtbar und mit echten Belegen untermauern, etwa durch Autorenprofile und Quellenangaben.
  • Sichtbarkeit in ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews regelmäßig überprüfen, dokumentieren und mit dem Team teilen, damit Erfolge messbar bleiben.

FAQs zu ChatGPT als Suchmaschine

Was bedeutet VLOSE bei ChatGPT?

VLOSE steht für Very Large Online Search Engine. Die EU stuft damit Dienste mit mehr als 45 Millionen monatlichen Nutzern in der EU als besonders regulierungsbedürftig ein, genau wie bisher schon Google Search und Bing. ChatGPT erreicht diese Schwelle mit rund 159 Millionen Nutzern allein in der EU deutlich und liegt damit weit über dem Grenzwert.

Ab wann gelten die neuen Pflichten für OpenAI?

OpenAI hat vier Monate ab der offiziellen Mitteilung Zeit, alle Anforderungen umzusetzen. Realistisch bedeutet das eine vollständige Umsetzung bis Januar 2027, inklusive Risikobewertungen, unabhängiger Audits und regelmäßiger Transparenzberichte.

Was ist der Unterschied zwischen SEO und GEO?

SEO optimiert Inhalte für klassische Suchergebnisse mit Rankings, Snippets und Klicks auf blaue Links. GEO zielt darauf ab, in den Antworten generativer KI-Systeme wie ChatGPT als Quelle zitiert oder aktiv empfohlen zu werden, unabhängig vom klassischen Ranking auf einer Ergebnisseite.

Wird es bald Werbung in ChatGPT geben?

Nach aktuellem Stand zeigt ChatGPT in der EU keine Anzeigen. Die neuen Transparenzpflichten zur Werbekennzeichnung schaffen dafür aber schon jetzt die regulatorische Grundlage, was aus unserer Erfahrung oft der erste Schritt vor dem Start eigener Werbeformate ist.

Wie könnt Ihr Eure Sichtbarkeit in ChatGPT verbessern?

Wichtig sind breite Markenerwähnungen über verschiedene Kanäle hinweg, eine saubere technische Basis wie eine llms.txt und gut strukturierte Inhalte, die sich leicht zitieren lassen. Backlinks allein reichen dafür laut aktuellen Daten längst nicht mehr aus, entscheidend ist die Präsenz der Marke über das gesamte Web hinweg.